Um diese Entfremdungen wieder rückgängig zu machen, ist natürlich
ein weiter Weg nötig. So war auch unsere erste Erkenntnis die,
dass der Mensch alleine in keinster Weise den Rückweg zu schaffen
vermag. Die Heilung bedarf zunächst einer radikalen Infragestellung
der gesamten Lebensäußerungen von uns Menschen. Das fängt
mit den sozialen Lebensbedingungen an und hört mit den Ernährungsfragen
auf. Da müssen die Beziehungsstrukturen durchforscht werden und
in die tiefsten Seelenkeller hinabgestiegen werden, um wieder an den
Urgrund der authentischen Lebensweise zurückzufinden.
Aber diese Bewegungen verursachen Angst, Angst vor allem Neuen, vor
allen Änderungen, vor allem Nicht-richtig-sein. Angst entsteht,
wenn wir entdecken, welche heimlichen monströsen Strukturen in
uns entstanden sind im Laufe der langen Zeit. Angst entsteht, wenn wir
all den Hass, den Neid, die Gier in uns entdecken, all die Lieblosigkeit
uns selbst und allen anderen gegenüber. Da kommt Angst vor uns
selbst, Angst davor, die Liebe der anderen zu verlieren.
So war den Likatiern klar, dass eine der ersten Heilmaßnahmen
sein mußte, eine Lebensform zu entwickeln, die sowohl im äußeren
Aufbau wie auch im inneren Lebensgefühl in der Lage war, zum einen notwendige
Änderungen zu bewerkstelligen, zum anderen aber auch die Ängste
der einzelnen durch ein liebevolles Zusammengehörigkeitsgefühl abzufangen
und sie auf ihrem Weg zur Lebendigkeit zu stützen und zu ermutigen. Ein
neu zu gründender Stamm, innerhalb dessen sich der innerste Kreis der
Mitglieder schwört, immer zusammen zu bleiben, schien die am besten geeignete
Voraussetzung dafür, allen ein Zuhause schaffen zu können, das unabhängig
ist von irgendwelchen Leistungen oder auch Fehlern. Die Gründung des
Stammes war somit schon der erste Schritt zur Gesamtheilung seiner Mitglieder.
Dabei war es den Likatiern wichtig, dass jedes Stammesmitglied diesen Schutz
und diese Geborgenheit durch die anderen gleichermaßen erfahren sollte.
Ein Schritt weg von dem leistungsorientierten, ausschliessenden und patriarchalen
Weltbild, in dem wir bisher gelebt hatten, war vollzogen, denn im Stamm bemühten
sich alle, jeden seiner selbst willen zu lieben und nicht seiner Leistung
wegen.